Majd aus Beirut: Knowledge-Equity-Kalender

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Map des Dorfes von Majd Großeltern, Lubya in Palästina, ~1940er, von palopenmaps.org
Survey of Palestine (a British Mandate institution), Map of Lubya, Palestine, 1 to 20,000, 1940s, marked as public domain

12. Dezember

Für mich bedeutet „Knowledge Equity“ („Wissensgerechtigkeit”), dass wir die Prinzipien wie Demokratie und Selbstbestimmung auf die Wissensproduktion und -verbreitung anwenden. Das bedeutet in der Praxis sehr viel: Es geht darum, Stimmen, die historisch zum Schweigen gebracht wurden, aktiv einzubeziehen; es geht darum, sicherzustellen, dass die Art und Weise, wie sie die Welt verstehen, ein zentraler Bestandteil der Art und Weise ist, wie wir unsere Wissensschätze gestalten. Das bedeutet, dass Institutionen, die behaupten, dass „Wissensgerechtigkeit“ ein Teil ihrer Mission ist, tatsächlich Mechanismen und Systeme in unseren Ländern für uns bereitstellen, in denen wir arbeiten, denken und produzieren können.

Majd, erster Fellow des Bassel Khartabil Free Culture Fellowship. Sebastiaan ter Burg, CC BY 2.0

Bei meinen jüngsten Arbeiten wurde ich vom Bassel Khartabil Free Culture Fellowship, einer Art Gedenk-Stipendium, die nach dem Wikimedianer und Aktivisten, der in einem syrischen Regimegefängnis getötet wurde. Mit dieser Unterstützung arbeitete ich an zwei Projekten:

Palestine Open Maps: eine Reihe von Karten von Palästina, die von den britischen Kolonialbehörden in den 1930er und 40er Jahren erstellt wurden und die ich mit dem Projektteam zusammengefügt und auf der Projekt-Website als „zusammengesetzte Karte“ veröffentlicht habe. Der nächste Teil des Projekts ist der Aufbau der Open-Source-Infrastruktur, die OpenStreetMap betreibt, um die Daten aus den historischen Karten zu extrahieren. Damit habe ich sogenannte „Map-a-thons” (19 bisher!) organisiert, bei denen Freiwillige zusammenkommen, die mir bei der Extraktion der Daten helfen. Die Idee ist inspiriert von der Arbeit des New York Public Library Space/Time Project.

– Die MASRAD:platform: eine Open-Source-Plattform zur Archivierung von Oral History. Es gibt bisher praktisch keine Open-Source-Plattform für die Archivierung der Oral History, die die User Experience des Archivars/der Archivarin in den Mittelpunkt stellen. Die Plattform befindet sich derzeit in der Entwicklung und sollte Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Die ersten Nutzerinnen und Nutzern werden das Syrische Oral History Archive sein, das Zeugnisse von Frauen und Jugendlichen aufzeichnet, die den Krieg in Syrien durchlebt haben.

Leider stoßen wir bei unseren Projekten auf viele verschiedene Probleme. Erstens gibt es ein Problem mit der Finanzierung: Wir brauchen mehr Geld, um Wissen tatsächlich auch in der Region, vor Ort zu produzieren. Wir sind es leid, dass ausländische Akademikerinnen und Akademiker nach Beirut kommen, um bspw. darüber zu schreiben, dass die Revolution im Libanon eigentlich eine große Party ist. Zweitens brauchen wir mehr Menschen mit technischen Fähigkeiten, die Open-Source-Software entwickeln können. Zum Beispiel habe ich vor etwa 8 Monaten mit der Programmierung der MASRAD:-Plattform begonnen, und ich wollte Hilfe bei der Programmierung erhalten, aber in Beirut sind die guten Entwicklerinnen und Entwickler ausgewandert, und sie arbeiten aus der Not heraus oft für Technologieunternehmen mit fragwürdigen Werten. Ich möchte vor ansässige Entwicklerinnen und Entwickler halten, wie auch dass Open-Source-Aktive mir auch bei der Programmierung der Plattform helfen!

Ich war sehr traurig, als die GLAM-WIKI-Konferenz letztes Jahr in Tel Aviv stattfand. Das ist eine große Herausforderung für uns: Menschen aus arabischen Ländern dürfen nicht nach Israel einreisen, insbesondere nicht aus Palästina. Bedeutet das, dass die Wikimedia-Community nicht will, dass wir teilnehmen? Zählt unsere Stimme und unsere Präsenz nicht? Ich bin sicher, dass dies nicht der Fall ist, aber es ist immer entmutigend, wenn ein solcher Fehltritt passiert.

In Zukunft möchte ich, dass mindestens fünf weitere Stipendien wie das Bassel Khartabil Free Culture Fellowship geschaffen werden, damit wir mehr Möglichkeiten für meine Menschen in meinem Alter haben. Ich würde mir auch wünschen, dass eine Wikimania-Konferenz in der MENA-Region stattfindet.

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