Wikimedia Argentinien: Knowledge-Equity-Kalender

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Eine der von der Organisation „Barrios x Memoria y Justicia“ verlegten Fliesen in der Stadt Buenos Aires. In diesem Fall zu Ehren von Irene Krichmar und Miguel Ángel Butron, die am 18.6.1976 in der Öffentlichkeit verschwanden. Maria Isabel Munczek, CC BY-SA 4.0

17. Dezember

Wiki Derechos Humanos” („Wiki Menschenrechte“) ist ein Projekt von Wikimedia Argentinien, das seit 2018 entstand, und sich seit zu einem überregionalen Projekt in Zusammenarbeit mit anderen Wikimedia-Organisationen entwickelt hat. Die Idee dahinter ist vor allem die Schaffung qualitativ hochwertiger und aktueller Informationen in der Wikipedia über Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in unserem Land während der letzten Diktatur begangen wurden.

Die ersten Artikel, die erstellt und verbessert wurden, bezogen sich auf die sogenannten „Memoria, Verdad y Justicia“-Prozesse. Dies ist kein Zufall. Argentinien war eines der ersten Länder, das Mitglieder der Streitkräfte und andere Akteure der de facto-Regierungen, die im Rahmen der Operation Condor die Macht innehatten, vor Gericht brachte. In dem Sinne war das Projekt „Wiki Derechos Humanos“ eine Art natürlicher Weg der Aufarbeitung.

Unerwarteterweise expandierte das Projekte schnell und zahlreiche Wikimedia-Organisationen und -Gruppen der Regionen begannen sich zu beteiligen, um deutlich zu machen, wie wichtig es ist sich in der Wikipedia im Themenfeld der Menschenrechte zu engagieren. In unserem Kontext haben wir verstanden, dass es in einem Land wie Argentinien, in dem alle 77 Stunden ein Mitglied der LGBT+-Community ermordet wird, auch wichtig ist, Wikipedia als sicheren Raum für die Sensibilisierung, Förderung und den Schutz der Menschenrechte zu nutzen.

Gruppenfoto der Konferenz „Menschenrechte im digitalen Raum“ organisiert von Wikimedia Argentinien. Ayelén Libertchuk, CC BY-SA 4.0

Seitdem wurden mehr als 250 Artikel geschrieben und mehr als 700 über die meisten Themen verbessert, die in lateinamerikanischen und karibischen Gesellschaften von Bedeutung sind, in denen häufig Menschenrechte verletzt werden. 30 Edit-a-thons wurden in Argentinien und 10 in anderen Ländern wie Mexiko, Paraguay, Chile, Kolumbien, Uruguay und Venezuela organisiert. All das haben wir nicht alleine organisiert, sondern in einer großartigen Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, NGOs, Wikimedia-Organisationen und -Gruppen und vielen Freiwilligen.

Die Ausrichtung der Konferenz „Menschenrechte im digitalen Raum“ ist quasi ein Beweis für das der Zeilen zuvor. Es war die erste Wikimedia-Konferenz, die einen Schwerpunkt auf Menschenrechte in Lateinamerika und der Karibik, auf mehreren digitalen Plattformen und in verschiedenen Disziplinen beleuchtete und förderte. Mehr als 20 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter mehrere Wikimedia-Organisationen, und 240 Teilnehmende trafen sich und tauschten Arbeitserfahrungen, Projekte und Herausforderungen über den Umgang mit Menschenrechten im Internet und Demokratisierung des Zugangs zu Informationen aus.

Da Argentinien ein Land mit einer eng mit dem sozialen Bewegungen verbundenen Geschichte ist, ist eines der wertvollsten Ergebnisse der Konferenz das Verständnis, dass der Kampf für soziale Gerechtigkeit auch im Internet stattfinden muss. In diesem Sinne hat die Konferenz dazu beigetragen, die Grundlagen für die Koordinierung der Maßnahmen zwischen lateinamerikanischen und karibischen Organisationen zu schaffen, um diesen Prozess nicht nur aus argentinischer, sondern auch aus regionaler Sicht zu gestalten.

Um „Knowledge Equity“ (Wissensgerechtigkeit) zu erreichen, müssen wir unsere Vernetzung nicht nur innerhalb des Wikimedia-Netzwerks, sondern auch mit verschiedenen Partnern und Akteuren stärken, nicht nur um Zugang zu derzeit fehlendem Wissen zu erhalten, sondern auch um verschiedenen Communities selbst zu befähigen, ihre eigenen Geschichte zu schreiben (und nicht nur beschrieben zu werden).  Geschichte und ihr Gedächtnis gehören den Menschen – und Wikimedia-Projekte sind zweifellos große Verbündete, um die Geschichte all jener Communities zu schützen, die historisch ausgeschlossen wurden und nie die Chance hatten, gehört zu werden.

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